Tuesday, 31 July 2012

Die wachsende Popularität von Adolf Hitler in Indien

Dr. Aafreedi: “Das Heilmittel für dieses paradoxe Phänomen ist Wissen”


Hitler wird durch den Großteil der Menschheit historisch als abscheulisches Wesen betrachtet, aber in den letzten Jahren hat seine Popularität in Indien stark zugenommen.

Dr. Navras jaat Aafreedi, Assistant Professor an der Abteilung für Geschichte & Kultur an der Gautam Buddha-Universität in Indien, ist Historiker in der jüdischen Gemeinde in Indien. Im vergangenen Monat unternahm er eine Vortragsreise in Israel, in der er einen Vortrag mit dem Titel “Der Aufstieg von Hitlers Popularität in Indien” an der Universität Tel Aviv gab. Er bemerkt, dass “Indien das einzige Land in der Welt ist, in dem für mehr als zwei Jahrtausende, Juden mit ihren nichtjüdischen Nachbarn in vollkommener Harmonie gelebt haben. Juden sind Indiens kleinste religiöse Minderheit und die Muslime seine größte und bei beiden, gibt es schöne Beispiele der Freundschaft, anders als irgendwo sonst auf der Welt.”

Hiltler hat in den vergangenen Jahren durch schnelle Popularität, in Indien an Bedeutung gewonnen. Dieses Phänomen ist ein Paradox, weil es in Indien keinen Antisemitismus gibt. Und obwohl das Land nie Antisemitismus gekannt hat, sind die Verkäufe von Hiltlers Mein Kampf in den letzten zehn Jahren um über 15% gestiegen. Der Name “arisch” ist ein beliebter Vorname in Indien und “Hitler” ist der Name des Protagonisten in vielen Bollywood-Produktionen.

Dr. Aafreedi bot ein paar Erklärungen. Im Gegensatz zu den heutigen Neo-Nazis, die Hitler für seinen Rassismus und die Verfolgung der Juden idealisieren, respektieren die Inder Hitler aus Fehlinformation. Er glaubt, dass der Anstieg von Hitlers Popularität nicht ein Ergebnis des Antisemitismus ist: “Die nicht-Verfügbarkeit jüdischer Studien in Indien, sind der Grund für den Grad der Unwissenheit unter den Indern. An fast allen großen indischen Universitäten sind islamische Studien verfügbar, nur bei den Juden reagierte der Staat hysterisch und war nicht bereit, jüdische Studien in Indien einzuführen. Während im Nachbarland China, jüdische Studien an zehn Universitäten verfügbar sind.” Er erklärte, dass die Inder weitgehend unwissend sind was den Holocaust betrifft und das diejenigen, die “dazu neigen, den Holocaust als Kollateralschaden für das Wohl von Deutschland zu rechtfertigen, dadurch beeinflusst wurden, dass Hitler oft von Rechten Hindus als Held angesehen wird”.

Er beobachtete, dass “die meisten Inder nichts über die Juden wissen, geschweige denn über den Holocaust. Unter der Gruppe in der indischen Bevölkerung, denen der Holocaust bewusst ist gibt es viele, die den Holocaust-Leugnern in die Falle gehen und haben damit begonnen, am Holocaust als Ganzes oder auch nur an seinem Umfang zu zweifeln. “Als Teil dieser Fehlinformation glauben viele Inder, dass die Achsenmächte des Zweiten Weltkrieges, teilweise verantwortlich für die Unabhängigkeit Indiens von den Briten im Jahr 1947 waren. Es wird vermutet, dass Hitlers Krieg Großbritannien dazu gezwungen hat, seine Ressourcen in Europa zu konzentrieren. Un das Großbritannien deshalb ein Gebiet so groß wie Indien nicht mehr steuern konnte, so dass Raum für eine indische Unabhängigkeitsbewegung entstand. Und Subhas Chandra Rose, eine Schlüsselfigur in der indischen Unabhängigkeitsbewegung, arbeitete mit den Achsenmächten zusammen, um die Engländer zu bekämpfen.

Ein weiterer Grund für die jüngere Generation ist das große Verlangen nach einer starken Führung. Dr. Aafreedi denkt, dass sie nicht über gute Gründe verfügen.

 
Dr. Aafreedi (Foto) glaubt, dass der Schlüssel zur Bekämpfung dieser Situation nur die Verbreitung von Tatsachen ist. “Durch fördern jüdischer Studien in Indien, durch das Studium der jüdischen Geschichte, Kultur und Religion. Es ist einfach nicht möglich, die beiden am häufigsten praktizierten Religionen, Christentum und Islam, ohne eine Studie des Judentums, der ältesten der drei monotheistischen semitischen Religionen zu verstehen. Es ist für jede Nation wichtig zu erkennen, die Beiträge aus den religiösen Minderheiten zu schätzen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird die Gesellschaft intolerant gegenüber Minderheiten, was gravierende Folgen nicht nur für die Minderheiten, sondern auch für die Mehrheit der Bevölkerung hat. In Indien, werden die Juden als die kleinste religiöse Minderheit und die Muslime, als die Größte angeschehen. Infolge ihrer geringen Zahl, kennen die meisten Inder Juden nur aus sekundären Quellen, die meist unzuverlässig sind und nicht als Ergebnis aus direkten Kontakten mit ihnen stammen. Unwissenheit gebiert Stereotypen wie Vorurteile und Hass und lebt von der Lüge. Daher ist es sehr wichtig, jüdische Studien in Indien zu fördern. Wenn dies nicht gemacht wird, werden wir ein Sechstel der Menschheit vernachlässigen.”

Hitlers Mein Kampf ist in fast allen indischen Sprachen verfügbar, aber das einzige Buch über den Holocaust in der Landessprache Indiens, Hindi, ist ein FAQ über den Holocaust, dass in Yad Vashem veröffentlicht wurde. Deshalb arbeitet Dr. Aafreedi weiterhin an der Verbreitung genauer Informationen über das Judentum und den Holocaust in Indien. Er hat interkulturelle und internationale studentische Dialoge an der Universität von Lucknow organisiert. Dort hat er auch jüdische Autoren und Filmemacher eingeladen, um über ihre Werke zu sprechen und brachte so eine Reihe von muslimische Intellektuelle dazu, sich gegen Antisemitismus einzusetzen. “Ich glaube, wenn das Bewusstsein durch die Verbreitung von Informationen erweitert wird”, sagt er, “kann dies bei der Beseitigung von vielen falschen Vorstellungen, die die Menschen haben helfen.”

Allerdings hat Dr. Aafreedi auch Widerstand in seiner Arbeit erfahren. “Seit ich mit der Arbeit als Assistant Professor begann, habe ich eine Anzahl von Kursen mit jüdischen Themen getarnt in meine Vorträge eingebettet, nachdem mir eine Genehmigung für meine geplanten Kurse über jüdische Themen zu bekommen verweigert wurde. Es ist schwer, die Genehmigung für solche Kurse in der indischen Wissenschaft zu erhalten. Die Verwaltung befürchtet, dass sie dadurch den guten Willen ihrer politischen Herren verlieren könnte, die jeden Einfluss nutzen, um “muslimische Stimmen zu bekommen.” Muslime in Indien wissen nicht, dass die Araber in Israel Gleichberechtigung genießen und einen hohen Lebensstandard haben und sie glauben auch, dass die Moscheen auf dem Tempelberg für die Muslime wegen israelischer Kontrolle geschlossen sind. Wegen solcher Fehlinformation, sind die indischen politischen Parteien nicht bemüht Israel zu unterstützen, wahrscheinlich aus Angst, dass die große muslimische Bevölkerung sich gegen sie wenden könnte.

Dennoch findet Dr. Aafreedi noch Möglichkeiten, um seine Schüler über die Wahrheit zu informieren. In einer Klasse für Geschichte der Wissenschaft und Technik lehrte er einst Ingenieur-Studenten. Er stellte ihnen die Aufgabe, den Missbrauch der Technologie während des Holocaust zu analysieren. Darüberhinaus führte er auch eine Reihe von wöchentlichen Filmvorführungen an der Universität durch, wo er Filme über den Holocaust und andere jüdische Themen zeigte.

“Ich mache den ernsthaften Versuch, Missverständnisse zu beseitigen und den jüdischen Beitrag in der Welt in den Brennpunkt zu stellen”, sagt er über seine Arbeit. Er folgerte: ” Ich bitte die Welt, mir in meinem Bemühen zu helfen, um Hass zu beseitigen und den Frieden durch die Verbreitung von Wissen zu fördern”.

Von Jacob Shamsian
Foto: Dr. Navras jaat Aafreedi
Tazpit News Agency

Monday, 30 July 2012

The Advent of Hitler in India: Dr. Aafreedi: "The cure for this Paradoxical Phenomenon is Knowledge"

5 Towns Jewish Times, July 30, 2012

Hitler is considered a heinous historical by most of humanity, but in the last few years India has been witness to the advent in his popularity.
 
Dr. Navras Jaat Aafreedi, an Assistant Professor at the Department of History & Civilization in Gautam Buddha University in India, is a scholar of the history of the Jewish communities in India. He has concluded last month a lecture tour in Israel, during which he gave a lecture titled “The Rise of Hitler’s Popularity in India” at Tel Aviv University. He notes that “India is the only country in the world where Jews have lived with their non-Jewish neighbours in complete harmony for more than two millennia. Jews are India’s smallest religious minority and Muslims its biggest, and the two have produced beautiful examples of amity, unlike anywhere else in the world.”

Hiltler has rapidly gained popularity in India in past years. This phenomenon is a paradox because of the absence of Anti-Semitism in India. Yet, though the country has never known anti-Semitism, sales of Hiltler’s Mein Kampf have risen over 15% in the last decade. The name “Aryan” is becoming a popular first name in India, and “Hitler” is the name of the protagonist in many a Bollywood production.
Dr. Aafreedi offered a few explanations. Unlike the modern-day neo-Nazis who idealize Hitler for his racism and persecution of the Jews, Indians who respect Hitler do so out of misinformation. He believes that this rise in Hitler’s popularity is not a result of anti-Semitism: “It can be ascribed to the absence of Jewish Studies in India, where Islamic Studies are available at almost all major Indian universities. The level of ignorance among Indians about Jews is hysterical and the state has been unwilling to introduce Jewish Studies in India, whereas in the neighboring country China, Jewish Studies are available at ten of its universities.” He explains that Indians are largely ignorant of the Holocaust, and those who are “tend to see it as a justified collateral damage for the greater good of Germany, influenced as they are by the way Hitler is often projected as a hero by the Hindu right wing,”

He observes that “Most of the Indians do not even know about the Jews, let alone the Holocaust. Among the section of the Indian population that is aware of the Holocaust, there are many who have fallen into the trap of the Holocaust deniers and have started either doubting it as a whole or just its scale.” As part of this misinformation, many Indians believe that the Axis powers of World War II were partially responsible for India’s independence from the British in 1947. It is believed that Hitler’s battle with the Allies forced Britain to focus their resources in Europe. Britain was unable to control a territory as large as India, leaving room for an Indian independence movement. Subhas Chandra Rose, a key figure of the Indian independence movement, collaborated with Axis powers to raise an army to fight the British.

Another reason is the younger generation’s great desire for strong leadership. Dr. Aafreedi thinks they do not have good examples.

Dr. Aafreedi believes that the key to combating this situation is the dissemination of facts. “I promote Jewish Studies in India, the study of Jewish history, culture and religion. It is just not possible to understand the two most widely practiced religions, Christianity and Islam, without a study of Judaism, oldest of the three Semitic monotheistic religions. It is important for any nation to appreciate and recognize the contributions made to it by its religious minorities. If this does not happen, the society becomes intolerant towards minorities which has grave consequences not just for the minorities but also for the majority community. In India, Jews happen to be the smallest religious minority and the Muslims, the biggest. As a result of their small numbers, most of the Indians know them only through secondary sources, which are mostly unreliable, and not as a result of any direct contact with them. Ignorance gives birth to stereotypes and misconceptions, and hatred thrives on falsehood. Hence, it becomes very important to promote Jewish Studies in India. If this is not done, we would neglect one-sixth of the mankind.”

Hitler’s Mein Kampf is available in almost all Indian languages, but the only book on the Holocaust in India’s national language, Hindi, is an FAQ about the Holocaust published by Yad Vashem. Dr. Aafreedi has worked and continues to work in spreading accurate information about Judaism and the Holocaust in India. He has organized cross-cultural and international student dialogues at the University of Lucknow. There he also invited Jewish authors and filmmakers to speak about their works and brought a number of Muslim intellectuals to speak out against anti-Semitism. “I believe that if awareness is created through the spread of information,” he says, “it can help in eliminating many misconceptions that people have.”

However, he has met resistance in his work. “Since I started working as an Assistant Professor, I have designed a number of courses with Jewish themes embedded in them in a camouflaged manner, as I failed to get approval for my proposed courses focused on Jewish themes and on the Shoah. It is hard to get approval for such courses in Indian academia as the administration fears that it might lose the goodwill of its political masters if any action of theirs has a detrimental effect on their political masters’ Muslim votes.” Muslims in India do not know that Arabs enjoy equality and high standards of living in Israel, and believe that the mosques on Temple Mount are closed to Muslims because of Israeli control. Because of such misinformation, Indian political parties do not make efforts to support Israel likely because of fear that the large Muslim population will turn against them.

Yet he still finds ways to inform his students of the truth. In a History of Science and Technology class he once taught to engineering students, for example, he assigned a paper asking students to analyze the misuse of technology during the Holocaust. He also introduced a series of weekly film screenings at the university, where he shows movies on the Holocaust and other Jewish themes.

“I made a serious effort to eliminate misconceptions and to bring into sharp focus the Jewish contributions to the world,” he says of his work. He concluded, stating: “I ask the world to help me in my endeavour to remove hatred and to promote peace through the spread of knowledge.”

By Jacob Shamsian
Tazpit News Agency

Friday, 13 July 2012

Sind die Taliban genetisch Juden?

Jüdische Genforschung führt zu merkwürdigen und umstrittenen Froschungsvorhaben: von Indien bie Portugal

Judische Zeitung, 13-7-2012

Ist «jüdische Genforschung» eine Wissenschaft? «Nein, das ist politisch motivierter Humbug», sagen die einen. Genauso wenig, wie es ein buddhistisches, christliches oder muslimisches Gen gibt, gibt es ein jüdisches. Die «jüdische Genforschung» soll, so die Kritiker, einzig dazu dienen, neues Menschenpotential für die zionistisch motivierte Einwanderung nach Israel liefern, um dort im «Wettlauf gegen die palästinensische Gebärmutter» bessere Chancen im Kampf um die jüdischstämmige Mehrheit im Land zu wahren. «Falsch», sagen die anderen, und verweisen auf die weltweit große Akzeptanz und Beliebtheit der Disziplin. Nicht zuletzt im Einwandererland USA sei es gang und gäbe, so die Verteidiger, seine Wissbegierde über die in der ganzen Welt verstreute Verwandtschaft und die Vorfahren anhand von Genanalysen zu stillen. In Europa, vor allem in Deutschland, hat die Überprüfung der «genetischen Herkunft» naturgemäß etwas Anrüchiges: War es doch eine Verquickung von Naturwissenschaft und Politik, die die Rassenlehre der Nazis begründete.

Den Kritikern zum Trotz geht die emsige Suche mehr oder minder seriöser Genforscher nach den «jüdischen» Genspuren weiter. Kürzlich hat die Forschung in den hintersten Winkeln der Erde dabei besonders skurrile Formen angenommen. Eine indische Genetikerin soll jetzt im offiziellen Auftrag Israels die Verbindung zwischen dem in der indischen Region Lucknow im Bundesstaat Uttar Pradesh beheimateten Stamm der Afridi Paschtunen und den so genannten «Verlorenen Stämmen» Israels, die sich vor tausenden von Jahren in ganz Asien angesiedelt haben sollen, untersuchen. Dies berichtete die «Times of India» Mitte Januar. Die mit der Forschung beauftragte Wissenschaftlerin Shahnaz Ali arbeitet im israelischen Haifa mit der renommierten Technion Universität zusammen, dem israelischen Institut für Technologie.

Einige Experten schreiben Israels Entscheidung, diese Studie zu finanzieren, der verbreiteten Annahme zu, wonach die Paschtunenkrieger Afghanistans und Pakistans - die von der USA und der NATO als Terroristen bekämpften Taliban - aus den Afridi Paschtunen hervorgegangen sind. Auch wenn Spekulationen über eine tief verwurzelte Verbindung zwischen diesen, dem Anschein nach, in keinem Zusammenhang stehenden Völkern wiederholt angestellt wurden, so ist dies doch das erste Mal, dass Israels Außenministerium sich bereit erklärt hat, Forschungsarbeiten für die irrwitzige Suche nach den «verlorenen», jüdischen Wurzeln bei den Paschtunenstämmen zu finanzieren.

Auswirkungen auf muslimisch-jüdische Beziehungen?

Genetisch Verwandte? Paschtunische Taliban in Afghanistan Ende Oktober 2009. Foto: Reuters
Der indischen Genforscherin Ali sind die politischen Motive egal. Sie analysierte bisher gesammelte Blutproben der Afridi Paschtunen aus der Kleinstadt Malihabad, um eine jüdische Abstammung nachweisen zu können. In einem Interview mit der «Times of India» sagte Dr. Navras Aafreedi, Forscher auf dem Gebiet der indo-jüdischen Wissenschaften und in Indien einer der ersten Befürworter der Theorie einer gemeinsamen Herkunft: «Malihabad im Bezirk Lucknow ist das einzige Paschtunengebiet, das für die an den mutmaßlich israelitischen Ursprüngen der Paschtunen Interessierten, sicher und einfach zugänglich ist. DNS-Proben in Afghanistan oder den Stammesgebieten unter Bundesverwaltung an der Nordwestprovinz Pakistans zu sammeln, wo die Mehrheit der Paschtunen lebt, ist sicherlich nicht möglich», sagte Aafreedi mit Blick auf die angespannte Sicherheitslage in der Region und die Gefahren für das Forscherteam. Die wenigen Paschtunen, die heute noch in Indien ansässig sind, findet man hauptsächlich in Orten wie Malihabad in der Nähe von Lucknow und Qayamganj in Farruchabad, beides im Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie alle sind Teil der wissenschaftlichen Studie Aafreedis.

«Shahnaz Untersuchung wird von großer Bedeutung sein, wenn sie eine genetische Verbindung zwischen Paschtunen und Juden nachweisen kann. Denn das könnte als wissenschaftliche Bestätigung des althergebrachten Glaubens an die israelitische Abstammung der Paschtunen gelten und interessante Auswirkungen auf die muslimisch-jüdischen Beziehungen haben.», wie Aafreedi der «Times of India» erklärte.

Dafür muss man die religiöse Überlieferung kennen, an der viele gläubige Juden, Christen und Muslime keine Zweifel hegen. Die Paschtunen, so will es die Tradierung, sollen Nachkommen des jüdischen Stammes Ephraim sein, einem von zehn israelitischen Stämmen des im 8. und 9. Jahrhunderts v.d.Z. existierenden Nordreiches «Israel» im Nahen Osten. Von dort sollen sie 721 v.d.Z. von assyrischen Angreifern vertrieben worden sein. Einige Nachfahren dieser «Verlorenen Stämme» sollen sich zwischen 1202 und 1761 u.Z., also satte 2.000 Jahre später in Indien niedergelassen haben, darunter auch die Afridi Paschtunen von Malihabad.

Laut Aafreedi sind die indischen Afridi Paschtunen, auch wenn sie behaupten, israelische Wurzeln zu haben, Israel genauso feindlich und antagonistisch gesinnt, wie Muslime überall in der Welt. Ob ein Befund, der die «genetische Verwandtschaft» von Afridi Paschtunen und den Juden Israels bestätigen würde, an dieser Einstellung etwas ändern könnte, wollte der Wissenschaftler nicht sagen.

Die Paschtunen-Theorie veranlasste derweil die Leser der israelischen Zeitung «Haaretz» zu allerhand Gedankenakrobatik. So spottet in den «Talkbacks» der Zeitung ein «Israeli Scientiest» aus Tel Aviv über das Forschungsvorhaben und führt von sich aus weitere «Beweise» für die Verwandtschaft zwischen den Taliban und Israels Juden an: «Mosche Dayan (früherer Armeegeneral Israels - d. Red.) hatte ein Auge, Mullah Omar (ein Talibanführer - d. Red.) hat ein Auge. Der zweithöchste Taliban-Kommandeur heißt Rabbani, ein Nachfahre eines Rabbiners?» Der Leser fragt: «Könnte man das Geld für die Forschung nicht lieber für die 20 Prozent unter der Armutsgrenze lebenden Israelis ausgeben?» Der Leser «Jewish Roots» denkt die politische Dimension der Forschung weiter und fragt: «Heißt das, dass Israel den Taliban nun das Recht auf Rückkehr anbietet?». Eine Note von Ernsthaftigkeit bringt der Leser «Sceptic» in die Debatte und verweist auf die Arbeiten des Mediziners Avshalom Zoosman-Diskin: «Die verschiedenen jüdischen Bevölkerungen sind zuallererst genetisch mit den Völkern ihrer Umgebung verbunden. Mischehen und Massenkonversionen haben zudem eine klare, genetische Verbindung der verschiedenen jüdischen Bevölkerungen untereinander zerstört, falls so eine jemals bestanden hat.»

500 Jahre ohne Inzest?

Über einen anderen unglaublichen Fund aus dem Bereich der «jüdischen Genforschung» berichteten die Medien Anfang Januar. Eine Genanalyse unter nordportugiesischen Kryptojuden soll erwiesen haben, dass es eine abgeschottet lebende, jüdische Gemeinschaft irgendwie fertig gebracht hat, ihre genetische Identität über Jahrhunderte hinweg zu bewahren. Und das ganz ohne Inzucht! Wissenschaftler versuchen nun zu verstehen, wie diese Juden es geschafft haben können, einem Schicksal zu entgehen, das die kleinsten, geschlossen-jüdischen Gemeinschaften weltweit begleitet und beunruhigt: geistige und körperliche Behinderungen.

Die aktuelle Studie von Forschern der portugiesischen Universitäten von Porto und Coimbra zeigte, dass Juden aus der Gegend von Bragança den Juden aus Nahost genetisch näher stehen als ihrem portugiesischen Umfeld - selbst noch nach über 500 Jahren im Land. Dies soll sich bei einer Analyse des Y-Chromosoms herausgestellt haben, das ausschließlich vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. Auch bei den Juden von Belmonte, einer Kleinstadt südlich von Bragança, soll diese genetische Übereinstimmung beobachtet worden sein. Allerdings zeigte die Genanalyse dort einen dramatischen Rückgang erbbiologischer Vielfalt, was auf Inzest hindeutet.

«Alle kleinen Genpools tendieren dazu, an Vielfalt zu verlieren. Aber die Gemeinden in der Gegend von Bragança haben es tatsächlich geschafft, eine sehr hohe Diversität aufrechtzuerhalten und das bei einer relativ kleinen, nicht-jüdischen Introgression (Einführung von Genen einer Population in den Genbestand einer anderen durch wiederholte Kreuzung und Rückkreuzungen - d. Red.)», erläuterte der an der Forschung beteiligte Genetiker Antonio Amorim von der Universität Porto. In der kürzlich von Amorims Team im «American Journal of Physical Anthropology» veröffentlichten Studie wurden die väterlichen Abstammungslinien von 57, nicht miteinander verwandten, jüdischen Männern aus Bragança und Umgebung untersucht. Die Gemeinde wird auf bestenfalls ein paar Hundert Mitglieder geschätzt. «Die Ergebnisse haben mich gleich zweifach überrascht», gestand Amorim gegenüber der «Haaretz» in Hinblick auf das niedrige Inzestniveau und die Bewahrung der «jüdischen Gene».

«Diese Ergebnisse können nur durch die Annahme erklärt werden, dass die effektive Populationsgröße wesentlich größer ist, als sie auf den ersten Blick scheint», schloss Amorim, «oder dadurch, dass eine bestimmte Fortpflanzungsstrategie vorhanden ist, die den Rückgang von männlichen Abstammungslinien verringert, ohne dabei jedoch das Einführen von nicht-jüdischem, männlichem Material völlig zu unterbinden.» Ob dieser haarsträubenden Erklärungsversuche Amorims frotzelten bereits skeptische Beobachter der portugiesischen Genstudie, ob hier nicht «am Ende noch Parthenogenese (eingeschlechtliche Fortpflanzung - d. Red.) eine Rolle gespielt» haben könnte.

Suche nach «Verlorenen Stämmen»

Das Forscherteam in Portugal kündigte indes weitere Untersuchungen an und will nun klären, wie es die Kryptojuden bei über vier Jahrhunderten religiöser Unterdrückung fertig gebracht haben könnten, Inzest zu vermeiden. Derzeit wartet man noch auf die Analysen der weiblichen Abstammungslinien. In der Region um Bragança siedelten sich seit 1187 Juden an. Die meisten kamen jedoch erst mit der Vertreibung aus Spanien 1492 und dem durch die christliche Inquisition erlassenen «Alhambra-Edikt». In Portugal durften Juden nur bleiben, wenn sie zum Christentum konvertierten. Im Geheimen fuhren ganze Gemeinden aber fort, ihrem jüdischen Glauben weiter anzuhängen, daher die Bezeichnung «Kryptojuden».

Portugal sieht sich momentan einer Welle von Bekehrungen tausender seiner Einwohner gegenüber, die glauben, Nachfahren der Kryptojuden zu sein. Unterstützt werden die Menschen dabei in vielen Fällen von der Organisation «Shavei Israel» («Rückkehrer Israels»). «Die aktuelle Studie zeigt, dass die vor über 500 Jahren zwangskonvertierten Juden in Portugal gewaltige Anstrengungen in Kauf nahmen, um ihre jüdische Identität im Geheimen aufrechtzuerhalten und viele, darauf deuten zumindest die Ergebnisse der Studie hin, heirateten nur untereinander», meint der Gründer von «Shavei Israel», Michael Freund. Also doch Inzest?

Die religiös-politische Motivation von «Shavei Israel» ist offensichtlich. Die Organisation hat sich die «Suche nach den «zehn verlorenen Stämmen Israels» zur Aufgabe gemacht und sucht vor allem auf der iberischen Halbinsel und in Lateinamerika nach Nachkommen der Kryptojuden. Sie will Menschen mit jüdischen Vorfahren, die sich in ihrem nichtjüdischen Umfeld «kulturell assimiliert» haben, zum Judentum zurückbringen. Kritiker werfen der Organisation missionarische Tätigkeit vor, was von «Shavei Israel» jedoch abgestritten wird. Inwieweit «Shavei Israel» an einer Finanzierung der seltsamen Studie in Portugal beteiligt ist, konnte die «Jüdische Zeitung» bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung bringen.
 
Eik Dödtmann und Frauke Stobbe